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# Ausgabe No.3 2021 #


WeibLich(t)

Eigentlich war ich ja auf Krawall gebürstet.
Wollte verbal in die Schlacht ziehen gegen die massigen Ungleichheiten, gegen die Gefahren und Benachteiligungen von Frauen allüberall auf der Welt. Und wer hätte mir widersprechen wollen?

In einer Mischung aus Kampfgeist, Parolen und Zynismus, gepudert mit ein paar Anekdoten über die bekloppten AfDler beim Paritätsgesetz oder andere unmögliche Personen und Haltungen, wäre ich mit einer moralischen Überlegenheit durch das "Thema Frauen" gesegelt.
Wer hätte mir widersprechen wollen?

Und während das alles wahr ist, all die himmelschreienden Ungleichheiten und patriarchalen Strukturen, während es selbstverständlich darum geht, all das anzuprangern und sich (mich!) zu engagieren, während es um kraftvolle Stimmen und Taten geht für eine Gleichwürdigkeit und Gleichberechtigung aller Wesen ... also während dies alles so ist, wollte ich mich doch nicht mit den oberflächlichen Selbstsverständlichkeiten davonkommen lassen.

Im Kern geht es doch um Unterdrückung, um Macht, um eine Marginalisierung, ein Nicht-Ernst-Nehmen von etwas, was als fremd und nicht erstrebenswert bewertet wird. Und dies hat eine politische Dimension, aber auch eine psychologische.

Wenn Leistung, Erfolg und Perfektion erstrebenswert sind, weil dies die gesellschaftliche Anerkennung garantiert, wird ein Individuum alles als nichtig und falsch und fremd deklarieren, was dem nicht entspricht oder gar entgegensteht. Wenn Stärke und Härte dominieren, hat das Schwache, Weiche und Zarte keine Chance. Am Panzer der Identifikationen prallt alles ab, was nicht dazugehört, nicht dazugehören soll.

Wenn Wachstum, Schnelligkeit und Ergebnisorientierung die Gebote der Stunde sind, werden alle Stimmen zum Schweigen gebracht, die für ein Bewahren, Verlangsamen und Innehalten eintreten. Wenn das Funktionieren von Dingen, Abläufen und Menschen ein Dogma unserer Zeit ist, werden alle Fragen und Unsicherheiten als unpassende Störungen gebrandmarkt. Am "So-läuft-es-nun-mal"-Panzer zerschellt alles, was nicht dazu passt.

Und dann verkümmern wir - als Individuen und als Gesellschaft.

Es gibt eine Waffe, die den Panzer durchdringen kann,
die ihn Stück für Stück erodiert.
Sie ist weich und zart und salzig.
Die Träne.

Der Panzer rostet und fällt irgendwann ab. 


* * * * *

Tränen werden umso kraftvoller, je mehr wir sie miteinander weinen.
Sie sind ein Ausdruck von Hoffnung: Es kann anders sein.
Wir können anders sein. Das Leben kann anders sein.


Vor ein paar Tagen hatten Friede, Julian und ich ein bewegendes virtuelles Date. Wir haben zusammen geweint und das war so zart und so kraftvoll.
(Ich danke euch beiden von Herzen!)

Und Friede las uns ein Gedicht vor, das offenbar sehr geduldig genau auf diesen Moment gewartet hatte:


Brenne

Nein, still bist du nicht hübscher.
Du bist wunderschön, wenn du kämpfst,
wenn du für das Deine kämpfst,
wenn du nicht die Klappe hältst
und deine Worte beißen,
wenn du deinen Mund öffnest
und alles um dich herum Feuer fängt.

Nein, still bist du nicht hübscher,
sondern nur etwas mehr tot,
und wenn ich etwas über dich weiß,
ist es, dass ich noch nie jemanden
gesehen habe,
jemand,
mit so viel Lust zu leben.

Schreiend

Miguel Gane
(entdeckt in: "Was wir Frauen wollen" von Isabel Allende)


* * * * *

Das Da-sein-Lassen der Verletzlichkeit, das Noch-nicht-Wissen von Lösungen, das Immer-wieder-halten-Können von Widersprüchen, das alles-Leben-Umarmende sind sehr weibliche Qualitäten, die alle Menschen, unabhängig vom biologischen Geschlecht, entwickeln können.
Wer will mir da widersprechen?



Herzliche Grüße
Peggy



In dieser Ausgabe:
Wandelforum-Blog
# Bienen, Bäume und Bauwägen
# Frauen meiner Seele
# Die Heldinnen der Haenyeo

Coaching-Blog
# Zur richten Zeit am richtigen Ort
# Es war nie einfach, aber ein wertvolles Geschenk

WandelBar
# Göttliches Update

Entdeckt
# Wonder Girls
# Frauenloop
# Unternehmerinnen des Waldes
# Mädchenmannschaft
# Zart und frei
# UN Women
# PoC Summit

Zu guter Letzt 
# Verboten


Wandelforum-Blog

Franziska: Bienen, Bäume und Bauwägen
Wie wollen wir leben, arbeiten und so naturnah und nachhaltig wie möglich sein? Hier kannst du einen Entwurf von mutigen Menschen unterstützen.
>>> jetzt lesen




Friede: Frauen meiner Seele
Was wir Frauen wollen - das ist das neue Buch von Isabel Allende. Wörtlich übersetzt heißt es eigentlich "Frauen meiner Seele" und es ist großartig!
>>> jetzt lesen




Rainer: Die Heldinnen der Haenyeo
Ich möchte von den Frauen der Haenyeo berichten, die mich faszinieren. In dieser Kultur spielen Frauen eine mehr als tragende Rolle.
>>> jetzt lesen





Coaching-Blog

Jeanne & Peggy: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Jeanne Thon berichtet von den ersten Eindrücken in der Coaching-Ausbildung, der Arbeit an ihrer Identität und teilt ihre Vorfreude auf die Assistenz … ...  
>>> jetzt lesen




Anne & Rainer: Es war nie einfach, aber ein wertvolles Geschenk
Anne Grökel erzählt von ihrem Wachstumsprozess in der Coaching-Ausbildung und von veralteten Stellenbeschreibungen ihrer inneren Teammitglieder ... 
>>> jetzt lesen




WandelBar

Göttliches Update

Während die Kultureinrichtungen allesamt noch geschlossen sind, bereiten wir uns schon mal auf die große Bühne vor. Hinter dem Vorhang entsteht gerade ein Theaterstück des Wandelforums - der Arbeitstitel ist "Göttliches Update". Wenn schon, denn schon ... ;-)

Und du, als Leser*in der Wandelpost, kannst schon mal reinschnuppern in die erste Szene ... 

>>> oh ja, ich bin neugierig




Entdeckt

# Wonder Girls
Sie setzen sich ein für Bildung, Gesundheit, Gleichberechtigung und Umwelt, sie engagieren sich gegen Gewalt, Menschenhandel und Krieg. Sie bringen sich selbst in Gefahr – und ihr Mut und ihre Visionen wirken ansteckend. Im Buch "Wonder Girls. Unsere Reise zu den mutigsten Mädchen der Welt - Heldinnen aus dem echten Leben zwischen 10-18 Jahren" von Paola Gianturco und Alex Sangster kommen Mädchen u.a. aus Afrika, den USA, Mexiko, Thailand, Schweden, Afghanistan, Deutschland zu Wort. 
>>> ich liebe Wunder

# Frauenloop
Das Projekt Frauenloop will mehr Frauen dazu befähigen an der digitalen Wirtschaft teilzunehmen und so die Digitalisierung weiblicher und gleichberechtigter gestalten. Hast du Erfahrung in der Digitalwirtschaft, kannst programmieren oder sprichst Englisch?
>>> ich loope gern

# Unternehmerinnen des Waldes
In Peru sind hohe Abholzungsraten an der Tagesordnung und sorgen dafür, dass die mehr als 73 Hektar Wald zunehmend schrumpfen. Ausnahmen gibt es vor allem in den Gebieten, die von indigenen Bevölkerungsgruppen bewirtschaftet werden. Insbesondere wenn Frauen für die Leitung zuständig sind, kann man beobachten, dass es möglich ist, die Gebiete sowohl wirtschaftlich erfolgreich zu nutzen, aber gleichzeitig auch zum Erhalt dieser natürlichen Ressourcen beizutragen. 
>>> auf nach Peru

# Mädchenmannschaft
Die Mädchenmannschaft versteht sich als ein Zusammenschluss von schreibwütigen Feminist*innen, die als Redaktionsmitglieder, Kolumnistinnen oder Gastautoren tätig sind. Du hast Lust, dich in irgendeiner Form an der Mädchenmannschaft zu beteiligen? Dann her mit deinen Ideen, Texten oder Kommentaren.
>>> da bin ich dabei

# Zart und frei
Brauchen wir noch ein Buch über Feminismus? Aber ja! Carolin Wiedemann gelingt in ihrem Buch "Zart und frei. Vom Sturz des Patriarchats" eine kluge Perspektive: Hegemoniale Männlichkeit unterdrückt fast alle, auch Männer. Das Leistungsethos, die Verweigerung von Hilfe, die Härte gegen sich selbst und gegen andere, also alle "Verdienste", die gemeinhin als besonders männlich gelten, beschneiden und begrenzen alle.
>>> ich bin so frei

# UN Women
Die globale "Generation Equality Kampagne" von UN Women bringt Feminist*innen aller Generationen zusammen – von jungen Aktivist*innen bis zu erfahrenen Visionär*innen -, um die unerledigten Aufgaben der Erklärung und Aktionsplattform von Peking in Angriff zu nehmen und greifbare Ergebnisse für Frauen und Mädchen zu erzielen. Generation Equality wird für 5 Jahre UN Women’s wichtigste Kampagne sein.
>>> gleich gleich gleich

# POC Summit
Seit Donnerstag läuft der aktuelle Online Summit "Wandel bewirken im Angesicht von Krise und Kollaps" von den Pioneers of Change. Du kannst dich noch kostenfrei anmelden. Mit dabei ist unter anderem Sister Lucy Kurien. Beeindruckt von Mutter Teresa gründete sie 1997 die interreligiöse Organisation „Maher“ in Puna (Indien) für misshandelte und mittellose Frauen und Kinder. Sister Lucy wurde kürzlich unter die 100 inspirierendsten Personen der Welt gewählt. 
>>> ich will zum Summit
>>> ich lass mich von Sister Lucy inspirieren



Zu guter Letzt

# Verboten




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