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# Ausgabe No.8 2020 #


Besinnung und Besinnungslosigkeit

In Kürze fackeln wir die 3. Kerze ab - oder besser:
wir entzünden das 3. Licht im Advent und warten auf die Ankunft.

Wahrscheinlich nicht auf die Ankunft der vielen Verwandten, wir haben ja Corona. Obwohl, Gesundheit hin und her, ohne Weihnachtsfest im Kreis der Lieben würden wir nicht so viel kaufen. Deshalb sind auch alle Geschäfte offen - im Gegensatz zu den Kultureinrichtungen und Gastronomiebetrieben.
Naja, man muss halt Prioritäten setzen.

Also, beim Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Die Novemberhilfen für Künstler*innen, Soloselbstständige und kleine Unternehmen verzögern sich. Aber es gibt ja die Grundsicherung. Okay, für TUI und die Automobilbranche wurden mal eben so mehrere Milliarden über den Tisch geschoben.
Prioritäten halt.

Wir zerstören unsere Lebensgrundlage und sollten unseren Krieg gegen die Natur beenden. Aber hey, wer hört schon auf den UNO-Chef?

Ach so: Kaufen. Wir müssen konsumieren. Das ist patriotisch.
Und wenn man keine Lust hat auf die Geschäfte in der Innenstadt, bestellt man halt. Interessiert ja nicht wirklich, dass das große A kaum Steuern zahlt.

Der DHL-Bote braucht was zu tun, gerade in der besinnlichen Vorweihnachtszeit. Die Weihnachtsmärkte sind doch eh überwiegend gestrichen - und wenn, dann meist ohne Glühweinstände. Was soll das denn? Okay, der DHL-Mensch ist total unterbezahlt und im Dauerstress. Aber man kann sich ja nicht um alle kümmern.
Prioritäten.
 
* * * * *

Ach, entschuldige bitte, ich hab mich davontragen lassen. Wo waren wir?
3. Advent. Kerze. Besinnung.
Warten auf ...?

Den Boten? Den Impstoff? Godot? 

* * * * *

Trotzdem.
Ich muss nochmal auf dieses eigenartige Paradigma kommen:
Schulen und Kitas sollen offen bleiben, damit die Eltern arbeiten gehen können. Der Einzelhandel muss offen bleiben, damit wir alle alles und vor allem ganz viel kaufen können. Das ist doch mal ne klare Linie.

Ehrlich gesagt war ich beeindruckt von der unverschämten Offenheit,
die Bezüge so klar und transparent zu verkünden. 


Also: Zeit für Besinnung. Streichholz raus und zündeln.
Die 3. Kerze reicht ja erstmal. Vielleicht erleuchtet sie unsere Seelen
und irgendwann auch das Großhirn.

Da heißt es: Warten.


Herzliche Grüße
Peggy



In dieser Ausgabe:
Im Blog
# Verantwortung - wo bist du
# DakhaBrakha
# Bitte warten, Sie werden gewartet

WandelBar
# Workshop LebensWandel

Entdeckt
# Menschsein: Suche nach einer neuen Geschichte
# Lebensart: Der Sinn des Lebens
# Zeitgerecht: Ungleichheit und Feminismus
# Lebenszeit: Drei großartige Bücher 
# Unart: System Error
# Unfassbar: Klimakrise? Das wirbt mich nicht.

Zu guter Letzt 
# Corona-Poesie
# All that we share


Im Blog

Anne: Verantwortung - wo bist du
Wenn ich Nachrichten höre oder im Internet stöbere, mache ich mir ernsthaft Sorgen. Wie können wir die volle Verantwortung für unser Handeln übernehmen - in einer Welt, die immer komplexer wird? ... 
>>> jetzt lesen



Rainer: DakhaBrakha
Heute möchte ich euch eine musikalische Formation vorstellen, die mich verzaubert wie lange keine mehr. DakhaBrakha kommen aus der Ukraine. Ihr musikalisches Genre bezeichnen sie selbst mit ‚Ethno-Chaos‘ - unendlich fremd und unglaublich vertraut ...
>>> jetzt lesen


Anne: Bitte warten, Sie werden gewartet
Mir ist vorher nie so bewusst gewesen, wie oft wir eigentlich warten. Aber wir tun es (fast) ständig. Wir warten auf das, was wohl kommt. Darauf, dass es irgendwann vorbei ist. Auf bessere Zeiten ...
>>> jetzt lesen



WandelBar

Workshop LebensWandel
Übergänge bewusst erleben und gestalten: Für einen guten Start im neuen Jahr bietet Hildegard an der Volkshochschule Berlin Spandau einen tollen Workshop an. Ein Wochenende für dich und deinen Weg ...
>>> mehr erfahren



Entdeckt

# Menschsein: Suche nach einer neuen Geschichte
Die mehr als 3000 Jahre alte Schöpfungsgeschichte hat die moderne Welt geprägt. Die menschliche Beherrschung des Planeten führte erst zur Erschließung von Lebensräumen, dann zu deren Zerstörung. Ist es Zeit für ein neues Weltbild? Aber ja! Der WDR-Podcast geht auf Spurensuche ...
>>> zu den Lebenszeichen

# Lebensart: Der Sinn des Lebens
Die Frage nach dem Sinn wirft uns auf das Wesentliche zurück. Und Krisen sind Zeiten, in denen das ganz besonders geschieht. Wir leben wieder in einer Zeit, in der viele Selbstverständlichkeiten nicht mehr selbstverständlich sind und in der sich scheinbare Sicherheiten auflösen. In solchen Augenblicken zeigt sich das Leben neu. Viele Fragen müssen tiefer gestellt werden. Und dann ist sie wieder da: diese Frage nach dem Sinn des Lebens. Die aktuelle Ausgabe der Evolve widmet sich dem Thema in vielen anregenden Beiträgen.
>>> zum Sinn

# Zeitgerecht: Ungleichheit und Feminismus
Armut, Unterdrückung von Frauen, Ausbeutung: Vieles läuft falsch in unserer Welt. Oxfam will im neuen Podcast wissen, wie es besser laufen kann. Auf der Suche nach Lösungen haben sie dabei vor allem eines festgestellt: Es gibt mehr davon, als man denkt. Dafür schaut Oxfam über den Tellerrand und spricht mit inspirierenden Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Wie bekommen wir das hin mit einer gerechteren Welt?
>>> zur Gerechtigkeit


# Lebenszeit: Drei großartige Bücher
"Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit - und das ist immer die gleiche: der Tod." Walter Benjamin

Ach du liebe Zeit ... Ich möchte dir heute drei Bücher empfehlen. Alle drehen sich um unsere Zeit und ich finde sie ganz großartig. Im Advent, zu Weihnachten, für einen normalen stillen Sonntag auf der Couch. Die Bücher sind keine Neuerscheinungen, aber das ist ja das Schöne an Büchern: sie sind zeitlos - oder können es sein.

Michael Ende: MoMo
Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur
Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein


# Unart: System Error
Es ist verrückt: Wir sehen die schwindenden Regenwälder und Gletscher, wissen um die Endlichkeit der Natur und sind dennoch wie besessen vom Wirtschaftswachstum. Warum treiben wir das Wachstum immer weiter, obwohl wir wissen, dass man auf unserem endlichen Planeten nicht unendlich wachsen kann? Der Film "System Error" begibt sich ins Panoptikum der Widersprüche. 
>>> zum Ende des Kapitalismus


# Unfassbar: Klimakrise? Das wirbt mich nicht.
Also, ich hab echt lange überlegt, wie ich das Interview von Jörg Thadeusz mit Maja Göpel ankündige. Ich bin sprachlos. Kuck selbst.
>>> zum Haareraufen


Zu guter Letzt

# Poesie

Corona

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der
Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.


Paul Celan



# All that we share




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